Donnerstag, 10. August 2017

Abschied vom Stillen mit 3,5 Jahren

Unsere Stillbeziehung begann mit einigen Schwierigkeiten (hier nachzulesen), denn ich hatte mich im Vorfeld nicht genügend informiert. Ganz naiv dachte ich, dass das Stillen etwas ganz Natürliches ist, bei dem sich bei uns keinerlei Probleme ergeben würden. Dem war aber nicht so. Das Käferle saugte am Anfang nicht richtig beziehungsweise hatte sie eine leichte Saugverwirrung, weil man ihr leider im Krankenhaus in der zweiten Nacht das Fläschchen gab und ich zu müde und erschöpft war und mich nicht dagegen zur Wehr setzte. Die Folge war, dass ich ungefähr drei Monate lang ums Stillen kämpfte und das Käferle gefühlte tausend Mal am Tag anlegte.
Ich war auch unsicher, ob sie genug Milch bekommt und fütterte zumindest ein Fläschchen täglich zu. Im Rückblick denke ich, dass es vermutlich nicht notwendig gewesen wäre. Außerdem wog ich sie sehr häufig auf unserer Babywaage, was mir wirklich viel an Sicherheit gegeben hat. Nach dieser harten Anfangszeit stillte ich endlich voll und hatte das Vertrauen in meinen Körper erlangt, dass ich mein Baby versorgen kann. Endlich war ich eine richtige "Stillmami", das hatte ich mir so sehr gewünscht und für mich ist am Anfang eine kleine Welt zusammengebrochen als noch nicht klar war, ob ich mein Kind mit meiner Muttermilch würde ernähren können.
Damals war mein Plan mindestens ein halbes Jahr voll zu stillen und spätestens mit einem Jahr abzustillen. Aber es entwickelte sich alles anders...
Das Käferle begann mit einem halben Jahr beziehungsweise schon etwas früher nach Beikost zu verlangen. Aber Muttermilch war dennoch weiterhin ihre Hauptnahrungsquelle.
Die Brust war auch Trostspender, Einschlafhilfe und viel mehr als nur Nahrung für den kleinen Körper. Wir stillten munter weiter und ich sah langsam ein, dass es absurd wäre abzustillen und künstliche Babymilch zu kaufen, wenn mein Körper doch die perfekte Nahrung produziert und das noch dazu gratis und ganz von selbst. So verstrich der erste Geburtstag des Käferles ohne dass die Stillbeziehung ein Ende fand. Ich begann mich langsam an den Gedanken zu gewöhnen, eine so genannte Langzeitstillende zu sein. Obwohl der Ausdruck "Normalzeitstillen" treffender ist, da das natürliche Abstillalter sich zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr befindet. Der Gedanke gefiel mir, mein Kind selbst entscheiden zu lassen, wann der Zeitpunkt für sie gekommen ist mit dem Stillen aufzuhören. Insgeheim hoffte ich aber schon, dass dies nicht erst mit 7 Jahren der Fall sein möge.

Im zweiten Lebensjahr häuften sich die Fragen im privaten Umfeld, wann ich denn abstillen wolle und ich wurde mit verwunderten Blicken betrachtet. Ich bemerkte, dass viele Menschen mit meinem Langzeitstillen und auch den Stoffwindeln nichts anfangen konnten. Aber ich bekam auch positive Rückmeldungen und bin hier zum Glück nicht ganz allein mit meinem "Weg".  Das Käferle wurde ein richtiger Stilljunkie und ich hatte den Eindruck, dass sie immer häufiger an die Brust wollte und fühlte mich zeitweise sehr vereinnahmt von ihr. Vor allem nächtliches Dauernuckeln machte mir zu schaffen. Aber im Großen und Ganzen genoss ich das Stillen doch sehr. Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich lernte, dass eine Stillbeziehung aus zwei beteiligten Personen besteht und die Bedürfnisse von Kind und Mama wichtig sind. So lernte ich das Stillen einzuschränken, wenn es mir zu viel wurde, aber auf liebevolle Art und Weise. Wirklich weniger mit dem Stillen wurde es ungefähr im Alter von 2- 2,5 Jahren.
Bei mir wurde der Wunsch nach einem weiteren Kind größer. Durch das viele Stillen setzte meine Menstruation erst wieder ein als das Käferle ungefähr 2,5 Jahre alt war.
Kurz nach Weihnachten 2016 hielt ich endlich einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen...
Das Stillen war plötzlich sehr unangenehm und die Brüste sehr empfindlich. Ich beendete das nächtliche Stillen, da ich es irgendwie nicht mehr konnte. Dies war fürs Käferle nicht so leicht zu akzeptieren. Zum Glück dauerte ihre Wut und Trauer in der Nacht nie lange (meist wenige Minuten), in denen sie sich nicht trösten ließ, aber dann wieder von selbst in den Schlaf fand. Hätte sie länger geweint, hätte ich bestimmt nachgegeben. Einige Monate dauerte die nächtliche Trauer an, wobei ich bis heute nicht weiß, ob es zwingend mit dem Nicht- Stillen in Zusammenhang stand oder eine Art "Nachtschreck" war.
Tagsüber hatte das Käferle inzwischen selbst das Stillen sehr reduziert und im Jänner 2017 blieb die Muttermilch wegen der Schwangerschaft plötzlich ganz aus.
Ich bemerkte aber, dass das Käferle noch nicht bereit war ohne Brust nuckeln am Abend einzuschlafen und so machten wir "trocken" weiter. Für mich war es nicht sehr angenehm, aber auszuhalten.
Es geschah an einem Abend Anfang Juni. Ich las der Tochter ein Buch zum Einschlafen vor und ihr fielen die Augen zu. Einfach so! Ohne Nuckeln!
Mir war gleich klar, dass es nun nicht mehr lange bis zum endgültigen Ende unserer Stillbeziehung dauern würde. Was noch wie ein Zufall wirkte, wiederholte sich knapp eine Woche später.
Ich fragte sie, ob sie mit Brust nuckeln einschlafen wolle oder nur mit Vorlesen und ihrem "Blumenpolster". Sie wählte Vorlesen mit Blumenpolster, aber wollte dann doch nuckeln. Ich ließ sie, entzog ihr dann aber die Brust, da es sich falsch anfühlte und sie gar nicht richtig nuckelte und sie schlief wieder so ein. Ungefähr eine Woche war das Einschlafprozedere so ein Hin und Her zwischen Brust und Blumenpolster. Sie hatte auch Sorge, was sie trinken könnte in der Nacht und ich bot ihr immer wieder die Wasserflasche an und erklärte ihr, dass die Milch ja ohnehin schon lange weg sei.
Seit Mitte Juni ist unsere Stillbeziehung nun endgültig zu Ende und ja ich bin wehmütig, aber im September wird hoffentlich eine weitere wundervolle und lange Stillbeziehung beginnen.

Ich bin schon neugierig, ob das Käferle dann auch wieder wird probieren wollen und wie ich dann reagieren werde. Aber ich denke das lasse ich auf mich zu kommen und ich werde bestimmt die passenden Worte finden.
Einmal fragte mich das Käferle, "warum sie nicht mehr trinken dürfe". Ich wusste erst keine Antwort und meinte dann "es ist der richtige Zeitpunkt, es ist an der Zeit."
Das Ende unserer Stillbeziehung war nicht komplett selbstbestimmt, aber das Käferle war bereit dazu und hat zumindest den letzten Schlusspunkt selbst gesetzt mit dem Ende des Einschlafnuckelns.
Das Ausbleiben der Milch durch die Schwangerschaft war sozusagen höhere Gewalt, das nächtliche Abstillen ging von mir aus und endgültig hat das Käferle unsere Stillgeschichte beendet.



Wie und wann gingen eure Stillbeziehungen zu Ende?
Oder habt ihr nicht gestillt und warum?

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