Dienstag, 11. August 2015

Was Babys und Schnecken gemeinsam haben?

Zur Zeit hat uns die Hitzewelle fest im Griff. Die Fotos von unserer Schnecken- Beobachtungstour sind schon vor einigen Wochen bei Regenwetter entstanden. Schnecken sind faszinierende Tiere und das Käferle war auf diesem Spaziergang damit beschäftigt, jede einzelne Schnecke zu begrüßen und zu streicheln. Meine Kleine stellte fest, dass sich die Schnecken immer in ihr Häuschen verkrochen, wenn sie sie berührte.



Die Schnecke (ihre Langsamkeit und ihr Schutzbedürfnis) steht sinnbildlich für zwei Dinge, die mir im Umgang und am Verhalten gegenüber Babys und Kleinkindern wichtig erscheinen. 
  • Kinder folgen einem eigenen inneren Bauplan! Sie brauchen Zeit und Raum, um sich entwickeln zu können! Es ist wichtig, dem Kind keinen Druck zu machen, denn Ungeduld hilft nichts. Das Kind lernt das Sprechen, Laufen, usw aus eigener Kraft, sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht. Vielleicht entwickelt sich ein anderes Kind scheinbar schneller - Na und? Die kindliche Entwicklung ist kein Wettrennen! Jedes Kind hat seine Begabungen und ist ein Wunder! Es durchläuft in seiner Entwicklung Phasen, in denen es bestimmte Dinge mit besonderer Leichtigkeit erlernt (sensible Phasen). Wir können als Eltern das Kind beobachten und es in den jeweiligen Lernbedürfnissen unterstützen. Nicht indem wir ihm Aufgaben vorsetzen, sondern indem wir die Umgebung des Kindes so vorbereiten, dass es dem aktuellen Lernbedürfnis nachkommen kann. Zeigt das Kleinkind zum Beispiel, dass es gerne selbstständig Essen und aus einem Glas trinken möchte, dann kann man ihm das durchaus ermöglichen. Oder es versucht zu klettern oder zu balancieren, dann sollte man versuchen dem Kind diese Bewegungserfahrungen anzubieten.
  • Kinder brauchen Schutz und Rückzugsgebiete! Die Schnecke verkriecht sich bei Berührung (= drohende Gefahr) in ihr Häuschen. Die meisten Tiere haben Schutzmechanismen. Tierbabys werden meist von der Mutter beschützt, die darauf achtet, dass Fremde bzw Feinde dem Nachwuchs nicht zu Nahe kommen. Ich versuche meine Tochter dafür zu sensibilisieren. Am Bauernhof ihres Onkels gibt es gerade ein kleines Kalb, das sie nur zu gerne streicheln würde. Aber ich erkläre ihr, dass es nicht möglich ist, denn die Mutterkuh passt auf ihr Junges auf. (Sie erlaubt wirklich nur dem Onkel ihr Kalb zu berühren...). Bei den Menschen ist der Schutzinstinkt der Mutter nicht mehr so stark ausgeprägt. Ich persönlich achte stets auf meine Tochter und ob sie nun gerade mit Menschen in Kontakt treten möchte oder nicht. Es gibt Babys/ Kleinkinder, die einfach mal einem Fremden (fürs Kind) auf den Schoß gesetzt werden, obwohl das Kind Angst hat oder sich unwohl fühlt. Ich könnte das nicht und will es auch nicht! Meine Tochter "gebe ich nur ab", wenn dieser Wunsch von ihr ausgeht und sie sich sicher fühlt. Wenn sie sich irgendwo unwohl fühlt, nehme ich sie sofort hoch zu mir oder suche ein ruhiges Plätzchen. Ich empfinde es als meine Aufgabe als Mutter, ihrem Schutzbedürfnis nachzukommen und nicht anderen Leuten zu gefallen (Küsschen geben, Schoß setzten, usw). 






Ich bin kein Schneckenexperte, aber die Nacktschnecke erscheint mir ohne ein Häuschen weniger gut geschützt zu sein...

Wie seht ihr das? Wie handhabt ihr das?

Kommentare:

  1. Liebe Gertraud!
    Ein toller Artikel, der mir aus der Seele spricht! Ich wurde schon öfter belächelt oder hätte mich rechtfertigen sollen, weil ich meinen Tiger sofort hochnehme oder ein paar Schritte weg gehe, wenn er sich wo unwohl fühlt oder ihn ausschließlich mal bei meiner Mama lasse (und das nicht besonders oft *hihi*), wo er sich wirklich wohl fühlt!
    Ich finde es wichtig, dass die Gefühle auch bei Babys und Kleinkinder ernst genommen und dadurch Grenzen jeglicher Art respektiert werden!
    Danke für diesen tollen Beitrag!
    Mittlerweile etwas kühlere Grüße,
    Ricarda

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  2. PS.: Unser Tiger trägt die Schnecken immer vom Weg in die Wiese oder unter Sträucher, weil ich ihm erklärt habe, dass wir beim Gehen aufpassen müssen, dass wir auf keine Schnecke steigen *haha*.

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    1. Liebe Ricarda!
      Zum Glück gibt es Mütter wie dich, die die Angst oder andere Gefühle ihres Kindes ernst nehmen und sich nicht mit einem "Ist doch nur der Onkel Fritzi" darüber hinwegsetzen!
      Dein Tiger ist echt ein liebenswerter Kerl :)
      Liebe Grüße,
      Gertraud

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