Dienstag, 5. Mai 2015

Wie Stillberatung unsere Stillbeziehung rettete

Und stillst du?
Diese Frage wurde nach der Geburt sehr häufig gestellt und man erwartete ein klares JA als Antwort. Muttermilch ist bekanntlich das Beste fürs Baby. Für mich war klar, dass ich unbedingt stillen wollte, mit Problemen rechnete ich nicht. Ich hatte vor 6 - 12 Monate zu stillen und dann wieder unabhängig zu sein.
Leider hatte ich den Milcheinschuss erst sehr spät und das Käferle saugte nicht richtig, sie schlief immer gleich ein an der Brust und ich sollte sie kitzeln, um sie beim Trinken wach zu halten.
Im Krankenhaus bekam ich leider keine kompetente Unterstützung- und Beratung. Erst fütterten sie alternativ mit einer Sonde zu und dann gab eine Schwester ohne viel zu fragen eine Flasche mit künstlicher Babynahrung, denn das Baby habe ja Hunger. Ich war zu erschöpft und verzweifelt um Einspruch zu erheben, mein Baby hatte fast die ganze Nacht geweint. Ich fühlte mich überfordert, mit Stillproblemen hatte ich nicht gerechnet. Beim Abpumpen kam so gut wie keine Milch, aber einige Mütter neben mir füllten beim Abpumpen ihre Flaschen problemlos. Ich war verunsichert. Hatte ich etwa keine Milch? 
Ich bereute mich übers Stillen überhaupt nicht informiert zu haben und fühlte mich unter Druck gesetzt. 
Nach drei schlaflosen Tagen und Nächten wurde ich entlassen und bekam eine elektrische Milchpumpe verordnet. Ich sollte alle drei Stunden stillen (Brüste abwechseln) und dann 3 mal 5 Minuten abpumpen. Das Käferle war ewig an der Brust, ich konnte nicht unterscheiden, ob sie trinkt oder nur nuckelt. Das Abpumpen empfand ich irgendwie als entwürdigend und brachte nichts. Meine Selbstzweifel, ob ich mein Baby ernähren könne, wuchsen. Wir mussten zu Gewichtskontrollen zum Kinderarzt und kauften eine Babywaage, weil ich Angst hatte, mein kleines Baby könne verhungern. Ich war ein Häufchen Elend, denn Stillen hängt für mich so eng mit meiner Mutterrolle zusammen und ich wollte es unbedingt. 
Stillberatung
Schließlich war ich mit meinen Kräften am Ende. Ich rief in einem Mütterstudio mit Stillberatung an und vereinbarte einen Termin. Während des Gespräches musste ich mit den Tränen kämpfen. Dieser Schritt war unglaublich wichtig für unsere Stillbeziehung.
Ich traf auf eine resolute, aber herzliche Hebamme, die mich gleich in ihre Arme schloss. Sie begutachtete meine Brüste und das Saugverhalten des Käferles und meinte: Du hast genug Milch, du wirst stillen können, tolle Brustwarzen :-) 
Allerdings saugte das Käferle nicht richtig. Wir hatten einige Termine bei der Hebamme zur Stillberatung und Gewichtskontrolle. Abends fütterten wir ein Fläschchen künstlicher Babynahrung zu, beim Abpumpen kam immer noch kaum Milch.


Mein Milchspendereflex reagiert scheinbar nur auf mein Baby und nicht auf Maschinen. Ich begann alles übers Stillen zu lesen, was ich im Netz so finden konnte. Mit dem Käferle ging ich zur Cranio-Sacral-Therapie.
Vollstillen
Nach zehn anstrengenden Wochen des Dauerstillens,  abendlichen Zufütterns und häufigen Abwiegens (vor und nach dem Stillen), setzte das Käferle das Fläschchen ab und ich stillte endlich voll. Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben aus dem Zufütter- Teufelskreis auszubrechen und dass wir durchgehalten haben.
Es wäre so wichtig, dass Krankenhäuser qualifizierte Stillberaterinnen beschäftigen, um den Müttern den Stillbeginn zu erleichtern. So viele Frauen, die eigentlich stillen wollten, füttern dann mit der Flasche.
Beikost, erste Zähne und Brustentzündungen
Als das Käferle ein halbes Jahr alt wurde, brachen die ersten Zähne durch und wir begannen mit Beikost, an der sie sehr interessiert war. Wir praktizierten BLW (baby led weaning), da sie Brei nicht so gerne mochte. Sie ist nach wie vor sehr am Essen interessiert und will alles kosten. Dennoch stillen wir noch sehr häufig. Große Stillmahlzeiten gibt es morgens und abends. Wir stillen nach Bedarf, bei Hunger, zum Trösten, zum Einschlafen, zum Kuscheln,..
Die unteren Schneidezähne machten beim Stillen keine Probleme, weil sich beim Trinken die Zunge über den Zähnen befindet. Als die oberen Schneidezähne durchbrachen, bekam ich plötzlich die Zähne beim Stillen zu spüren. Das Käferle biss kräftig zu. Ich befolgte den Rat einer Stillberaterin, schrie auf und dockte das Käferle ab. Vor Schreck begann sie sehr zu weinen und ich tröstete sie, aber ohne Brust, denn diese verweigerte sie bis in die frühen Morgenstunden. Wir hatten nie wieder Probleme mit dem Beißen.
Zwei kleinere Brustentzündungen hatte ich auch bereits, die ich zum Glück schnell bemerkte und entsprechend reagierte. Wichtig ist Ruhe, viel Stillen und nach dem Stillen die Brust mit kaltem Topfen (= Quark) kühlen. Bei mir war der Geschmack der Milch wohl etwas verändert (salzig), sodass das Käferle nicht trinken wollte. Zum Glück trank sie immer im Schlaf, wenn der Hunger groß genug war. Zusätzlich nahm ich homöopathische Globoli.
Die Zähne und die Brustentzündungen waren bei uns kein Grund zum Abstillen. Es gibt für den Ernstfall auch stillverträgliche Mittel.

Ich bin sehr froh, dass unsere Stillbeziehung sich so positiv entwickelt hat und möchte die Nähe und Vertrautheit nicht missen. Wie so viele stillende Mütter hoffe ich, dass sich das Käferle eines Tages von selbst abstillt und unsere Stillbeziehung ein harmonisches Ende findet.


Stillen nach der Geburt

Stillen mit 15 Monaten


Mit welchen Stillproblemen hattet ihr zu kämpfen?

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