Freitag, 16. Januar 2015

Nur nicht pressen - Mein Geburtsbericht

Unvorstellbar, aber wahr, nun bist du wirklich schon ein Jahr...
Wie es begann?
3:40 - Eine leichte Wehe? Ich bin sofort hellwach und spüre irgendetwas ist anders. Dennoch versuche ich weiter zu schlafen.
3:50 - Blick auf die Uhr, kann nicht mehr weiter schlafen. Ist das eine leichte Wehe? Woher soll ich als Erstgebärende wissen, wann es losgeht?
Ich bin alleine zu Hause, mein Freund ist in der Arbeit (Nachtschicht), er kommt erst um 5:30 nach Hause. Ich beschließe abzuwarten und die Abstände zu beobachten. Vielleicht kommen ja keine weiteren Wehen mehr.
Heute ist Donnerstag, Entbindungstermin ist am Sonntag.
4:00 - Eindeutig ein Ziehen ähnlich wie bei Menstruationsbeschwerden. Wird der Schmerz nicht immer so beschrieben? Ruhig bleiben. Abwarten.
4:10 - Verdächtig, wirklich verdächtig...
4:20 - Es könnte heute ernst werden...
4:30 - Atmen, atmen,...bin jetzt überzeugt, dass es sich um Wehen handelt und dass sie seit fast einer Stunde alle zehn Minuten auftreten.
Ich rufe meine Mama an und merke dezent an, dass sich etwas tut. Wir beschließen in Kontakt zu bleiben, die Abstände weiter zu beobachten. Auf keinen Fall möchte ich zu früh im Krankenhaus sein. Warte auf die Rückkehr des werdenden Papas von der Nachtschicht. Wehenabstände verkürzen sich auf 8 Minuten und ich habe das Gefühl, dass ich sie bereits veratmen muss.
Im Kreißsaal wird auf meinen Wunsch hin, meine Mama mit dabei sein. Mein Freund ist sehr froh darüber, dass er nicht muss :-)  Er wird am Gang warten, und nervös auf und ab gehen, wie sich das gehört oder irgendwo einschlafen (Stichwort Nachtschicht).
5:30 - Erwarte meinen Schatz zur Sicherheit in meinem Entbindungsoutfit. Habe natürlich alles bis ins Detail geplant. Schließlich will man so gut wie möglich vorbereitet sein. Ich bringe den werdenden Papa auf den neuesten Stand. Dieser will natürlich SOFORT ins Krankenhaus fahren.
Ich überzeuge ihn eine weitere Stunde zu warten und meine Mama gleich mitzunehmen.
6:30 - Abfahrt zum Krankenhaus. Ich bin entspannt, die Wehen sind erträglich, aber schmerzhaft. Wir finden uns mitten im Berufsverkehr wieder, es geht nur langsam vorwärts. Ich bin entspannt, mein Freund weniger.
7:30 - Ankunft im Krankenhaus.
Es wird ein CTG geschrieben und der Muttermund wird untersucht.
Der niederschmetternde Befund: Muttermund erst 1 cm offen, keine nennenswerten Wehen.
Fühle mich wie ein hypochondrisches Weichei. Ich darf wieder nach Hause fahren. Es könne auch noch eine Woche dauern. Bin maßlos enttäuscht und deprimiert, es soll endlich losgehen. Eine Freundin von mir müsste grade ihren Kaiserschnitt bekommen haben. Sie hat ihr Baby vermutlich schon....Wir frühstücken ordentlich, zu Hause gehe ich auf Toilette. Ist das der Schleimpfropf, der sich gelöst hat? Mein Freund legt sich nieder, um zu schlafen und ich fahre mit zu meiner Mama. Bin in keiner guten Verfassung, heule, habe einen kleinen Nervenzusammenbruch, lege mich hin und versuche zu lesen.
Mittags gibt es Semmelknödel und einige Beilagen, ich habe keinen Appetit. Mein Hausarzt, ein Freund der Familie schaut zufällig vorbei und meint: "Das wird noch dauern, der Bauch ist noch weit oben."
12:30 - Meine Mama alarmiert die Rettung. Ich bin dagegen, will mich nicht wieder blamieren und heim geschickt werden.
Die Wehenschmerzen sind überwältigend, versuche sie zu veratmen. Liege auf der Couch und schaffe es irgendwie nicht mehr aufzustehen. Die Abstände betragen plötzlich nur mehr 4 Minuten. Lausche dem Telefongespräch. Mir wird ganz anders. Meine Mama wird doch tatsächlich aufgefordert, Handtücher, Wasser und etwas zum Abbinden für die Nabelschnur herzurichten. Sie folgt ruhig den Anweisungen, die Rettung ist unterwegs.
Die Rettung trifft ein, man hebt mich auf die Trage. Ich habe Mitleid mit den Leuten, bin wirklich schwer. Im Rettungswagen werden mir die Schuhe ausgezogen und ich werde unten herum freigemacht. Ich merke, dass die Rettungsleute nervös sind und spreche den Zivildiener darauf an. Weiß von meinem Bruder, der auch Zivildienst bei der Rettung gemacht hat, dass Entbindungen gefürchtet werden. Da ist es besonders Schlimm, wenn etwas schief geht. Die Frau, die den Rettungswagen fährt, bittet mich inständig, nur ja nicht zu pressen.
Der 18-jährige  Zivildiener beschwichtigt mich, aber ich merke, er hat Angst. Dies wäre auch seine erste Geburt. Die Abstände verkürzen sich fast auf 3 Minuten. Das Blaulicht wird eingeschaltet, ich muss mich in den Kurven festhalten.
Später erzählt mir mein Bruder, dass bei Wehenabständen von 2 Minuten angehalten werden muss. Die Anweisung lautet dann lediglich dabei sein und hinterher Uhrzeit festhalten und Nabelschnur durchtrennen. Sehr beruhigend!
Zum Glück weiß ich das zu diesem Zeitpunkt nicht.
Auf halber Strecke werde ich  am Straßenrand dann in einen Rettungswagen mit Notarzt umgeladen. Ich befinde mich wieder in kompetenten Händen :-)
Meine Mama und der werdende Papa folgen uns mit dem Auto, weiter geht die rasante Fahrt, die dieses Mal nur 20 Minuten dauert.
Da bin ich wieder. Ich bin doch kein hypochondrisches Weichei und darf sofort in den Kreißsaal.
Meine Hebamme ist glücklicherweise total nett. Der Muttermund ist beinahe vollständig auf. Die Wehen sind sehr stark und schmerzhaft. Die Fruchtblase ist bereits geplatzt ohne dass ich es gemerkt habe.
Meine Mama kommt dazu. Ich hoffe, dass es jetzt schnell gehen wird. Solche Wehen würde ich über Stunden nur schwer ertragen können. Die Hebamme meint zu dieser Überlegung, dass es für eine PDA zu spät sei, bis die Wirkung einsetze...
Dann also ohne, wollte es ohnehin möglichst natürlich haben.
Beim Veratmen der Wehen werde ich nun professionell angeleitet und nehme verschiedene Positionen ein. Nichts zurückhalten und pressen lautet die Devise!
Ich presse was das Zeug hält, aber nichts passiert...
16:00 - Warten auf die letzte Wehe. Irgendwie glaubt mein Körper wohl, dass die Geburt schon vollbracht ist und produziert keine nennenswerten Wehen mehr. Ich plaudere mit den Anwesenden als würden wir im Kaffeehaus sitzen.
Die Hebamme meint: "Also die Haare hat sie schon mal vom Papa."
Der hat nämlich viele ganz dunkle Haare und ich darf nach unten greifen und auch mal fühlen.
Der Kreissaal ist voll, alle warten aufs Baby, um es zu wiegen, zu messen usw.
Eine Reihe von Mitteln wird eingesetzt, damit ich Wehen produziere (Akupunktur, an Zimt riechen, usw.). Schließlich bekomme ich ein leichtes Wehenmittel verabreicht.
16:59 - Sie ist da!
Ich habe sie einfach rausgepresst mit aller Kraft, obwohl ich gar keine Wehe gespürt habe. Der Schmerz hat mich fast zerrissen.
Bin leider gerissen und muss genäht werden. Unser Käferle hat ihren Ellenbogen so unvorteilhaft vorgestreckt, dass sie es mir nicht einfach gemacht hat.
Ellbogenmentalität pur, wir haben eine gesunde und durchsetzungsfähige Tochter.
Sie ist 50 cm groß, wiegt 3245g und ist einfach perfekt.
Auf ihrem ersten Foto zeigt sie der Welt schon mal den Mittelfinger, das kann noch heiter werden.
Am Sonntag werde ich entlassen, ohne Schuhe. Denn die liegen noch im Rettungswagen, dafür mit Baby. Ich bin glücklich :-) 

Wie war es bei euch? Würde mich sehr über eure Geschichten freuen...

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