Sonntag, 4. Januar 2015

Ildikó von Kürthy - Unter dem Herzen

Erwartet man sein erstes Kind, hat die werdende Mama meist keine Vorstellung davon, was sie erwartet. Und ich denke, dass sollte auch so sein. Heute erinnere ich mich gerne zurück an die ruhige und erwartungsvolle Zeit mit meinem Bauchzwerg. Wie aufregend, neu und voller Vorfreude waren diese Monate, aber auch wie beängstigend.
Dazu meint Kürthy: "Denn genauso überwältigend wie die Furcht, das Kind zu verlieren, kann die Furcht sein, das Kind zu bekommen."



In "Unter dem Herzen"wird diese spannende "Kugelzeit", aber auch die Geburt und das erste Jahr mit Baby thematisiert.

Ildikó von Kürthys "Mama - Tagebuch" trägt den Untertitel "Ansichten einer neugeborenen Mutter", und sollte auf keinem Mama - Nachtkästchen oder Ebook - Reader fehlen. Denn bei der Geburt kommt nicht nur das Baby zur Welt, sondern auch die Mutter. Dieser Ansicht kann ich nur zustimmen.
Zur Geburt: "...das war nicht mein Kind, und ich war nicht seine Mutter. Es war genau andersherum. Das Kind hatte mich geboren."

Die Tagebucheinträge erinnern an Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück und lassen erkennen, dass die werdende Mutter sehr um ihr Gewicht besorgt ist.
Zur 19. Schwangerschaftswoche schreibt sie:
"Zustand: Ich sehe jetzt von vorne genauso aus wie von hinten. Befremdlich irgendwie. Als würde ich ein weiteres Kind im Po austragen."
Oder an anderer Stelle:
"Ich meine, ganz ehrlich, Claudia Schiffer hat mit meinem Idealgewicht entbunden!"

"Schwangerschaftswoche: 31 + 6 Tage, (8. Monat)
Gewicht: Ich dachte nicht, dass ich in meinem Leben jemals so viel wiegen könnte. Ich bin jetzt eine Frau, der man im Bus einen Platz anbietet, der man erschrocken die Tür aufhält und bei der man sich sorgt, dass sie gleich auf dem edlen Teppich niederkommt."

Kürthy nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert alle Höhen und Tiefen auf humorvolle Art. Nicht nur einmal muss man schmunzeln oder gar lachen, weil einem Situationen nur allzu bekannt vorkommen.

Es scheint Kürthy ein Bedürfnis zu sein, aufzuzeigen, wie schwierig es für Frauen heute ist, Beruf und Familie zu vereinen und den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden. Perfektionismus hält sie in diesem Zusammenhang für besonders gefährlich. Sie findet für diese Zerrissenheit  der Mutter einen passenden Vergleich: "Es ist, als wenn du mit einem Topflappen eine vierköpfige Familie zu decken willst: Irgendwas guckt immer raus und kriegt kalte Füße."
Außerdem nimmt sie zu den "mommy wars" Stellung, zu den Kämpfen zwischen Öko- Mamis und Luxusmamis und der fehlenden Toleranz.

Im Buch wird Mutterschaft in der heutigen Gesellschaft kritisch thematisiert, dennoch bleibt es hauptsächlich Eines - sehr unterhaltsam.

Ich habe es insgesamt drei Mal gelesen und es hat mich jedes Mal erheitert. Genau das Richtige, um den "Mama - Akku" wieder aufzuladen.


Hier noch einige meiner Lieblingszitate aus dem Buch:

"Ich hatte gar nicht mehr mit dir gerechnet. Dabei warst du längst unterwegs."

"Der neunte Monat ist keine gemütliche Zeit, das muss man ganz klar so sagen. Wenn dir etwas runterfällt, überlegst du sehr genau, ob du es aufhebst oder ob es bis nach der Niederkunft liegen bleiben kann."

"Mit dem Baby bekommst du als Mutter ein schlechtes Gewissen automatisch mit dazu geliefert."

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